AboInterview
«Dieses Privileg ist nur wenigen vergönnt»
AUSGEFRAGT | LORIS SCHAUB, MITGLIED REKRUTENSPIEL DER SCHWEIZER ARMEE
Der Böckter Tambour Loris Schaub steht mit dem Rekrutenspiel der Schweizer Militärmusik erstmals auf der grossen Bühne des «Basel Tattoo». Die Nervosität hilft dem «Wurlitzer», sich auf die Aufgabe zu fokussieren.
Herr Schaub, heute beginnt das «Basel Tattoo». Geht für Sie damit ein Traum in Erfüllung?
Loris Schaub: Eigentlich nicht. Als ich bisher im Publikum sass, hätte ich mir nie träumen lassen, selbst einmal in der Arena zu stehen. Ich habe das auch nie gezielt angestrebt. Als sich dann aber die Möglichkeit ergab, mit dem Rekrutenspiel am «Basel Tattoo» mitzuwirken, dachte ich schon: Wow! Denn es ist ein Privileg, das nur wenigen vergönnt ist.
Ich habe die Rekrutenschule im Militärspiel absolviert und anschliessend die Unteroffiziersschule gemacht sowie den Grad als Wachtmeister abverdient. Während dieser Zeit zeichnete sich ab, dass das Rekrutenspiel am diesjährigen «Basel Tattoo» teilnehmen würde. Wer bereit war, nach der RS einen WK am «Basel Tattoo» zu leisten, konnte mitmachen. Viele haben sich dafür gemeldet.
Keine Sekunde. Für mich war sofort klar, dass ich mir eine wohl einmalige Gelegenheit nicht entgehen lasse. Ich spiele nicht nur mit, sondern bin auch für die 13 Tambouren der rund 50-köpfigen Brass Band verantwortlich.
Wer würde schon freiwillig auf einen «Schoggi-WK» verzichten? Hat dieser WK trotzdem militärische Elemente?
«Musik in Grün» beschreibt ihn wohl am besten. Tagsüber tragen wir den Tarnanzug, während der Auftritte die Ausgangsuniform. Der Tagesablauf mit den Proben ist klar strukturiert und das Programm durchgetaktet. Das Proben ist für uns aber kein Müssen, sondern ein Wollen. Wir sind für jede Minute dankbar, die wir an unserer Show arbeiten können. Inhaltlich dreht sich während des gesamten WKs alles um die Vorbereitung und Präsentation der Show. Und wir haben das Privileg, in einem Hotel zu übernachten. Den Organisatoren ist wichtig, dass alle Mitwirkenden genügend Erholung bekommen.
Sie haben in der Arena rund sieben Minuten Auftrittszeit. Wie viel Vorbereitung steckt dahinter?
Bereits während der RS haben wir begonnen, die Musikstücke einzustudieren und die Marschformationen zu entwickeln. Ende Juni folgte eine Vorbereitungswoche, in der wir die Show fertigstellten. Seit Montag geben wir ihr in der Arena und in einer Messehalle mit mehreren Proben täglich den letzten Schliff. Ab heute stehen elf Auftritte an zehn aufeinanderfolgenden Tagen auf dem Programm.
Ich bin es gewohnt, vor Publikum oder Juroren aufzutreten. Eine gewisse Nervosität gehört für mich immer dazu. Das Adrenalin hilft mir sogar, mich noch besser auf meine Aufgabe zu konzentrieren.
Wir bieten Unterhaltung mit militärischem Flair. Das Programm besteht aus eher kurzen Passagen aus sechs Musikstücken und setzt bewusst auf einen hohen Unterhaltungswert. Deshalb haben wir auch Melodien eingebaut, die viele sofort erkennen – etwa «Money, Money, Money» von Abba. Dazu kommen Marschformationen und einzelne Elemente, die an die Trommlerformation «Top Secret» erinnern.
Gibt es unter den teilnehmenden Formationen ein Konkurrenzdenken?
Ja, aber ein gesundes. Wenn man bei den Proben eine starke Formation sieht und hört, spornt das an, selbst das Beste aus sich herauszuholen. Viele andere Gruppen sind bereits weltweit aufgetreten. Für uns ist ein Anlass wie das «Basel Tattoo» dagegen etwas Einmaliges. Das motiviert uns zusätzlich.
Was passiert, wenn vor Tausenden Zuschauern einmal etwas schiefläuft?
Es wäre unrealistisch zu glauben, dass bei elf Auftritten keinem der 50 Mitglieder der Band einmal ein Fehler passiert. Wichtig ist, sich davon nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und möglichst schnell wieder in den Flow zu finden. Genau das haben wir während der Probewoche auch mit einem Mentaltrainer thematisiert.
50 Personen sind eine grosse Gruppe. Wie stark ist der Zusammenhalt?
Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Ein grosser Vorteil ist, dass wir die 18-wöchige RS gemeinsam absolviert haben. Man kennt die Leute links und rechts von sich. Dabei sind auch Freundschaften entstanden, die wir ausserhalb des Militärdienstes weiterpflegen.
Was nehmen Sie aus Ihrem Militärdienst ausserdem mit? Für die «Wurlitzer Clique» zum Beispiel?
Als Unteroffizier lernt man unter anderem zu dirigieren und eine Gruppe zu führen. Ich könnte deshalb künftig durchaus mehr Verantwortung im Verein übernehmen, etwa die Clique an ein Wettspiel heranführen oder neue Stücke einstudieren.
Woran werden Sie nach dem letzten Auftritt auf dem Kasernenareal erkennen, dass sich der Aufwand gelohnt hat?
Am Applaus des Publikums.



