Alte und Kranke werden vom öV ausgeschlossen Bilder sprechen Bände Parteipolitische Aktion der SVP mit Verheimlichungen Gelungene Integration Busanschluss für Tecknau
BRIEFE HERZBLUT
Postauto-Fahrplan
Das Behindertengleichstellungsgesetz hätte bis Ende 2023 umgesetzt sein sollen, nachdem die Übergangsfrist von 20 Jahren abgelaufen war. Wer heute mit dem Postauto unterwegs ist, findet im oberen Baselbiet kaum eine Haltestelle, die ebenerdiges Einsteigen – pardon, Hineinfahren mit Rollator, Rollstuhl, Kinderwagen – ermöglicht.
Das Postauto hat den Abstecher ins Herz von Gelterkinden nicht mehr nötig. Das ist gerade für Menschen mit Behinderung sehr schwierig, weil der Umstieg von der Linie 101 (Sissach – Wegenstetten) auf den «103er» (Gelterkinden Bahnhof – Gelterkinden Post) in nur einer Minute erfolgen muss. Das ist für Menschen mit Behinderung nicht machbar! Vor allem, weil die Bushaltestellen am Gelterkinder Bahnhof entgegen den gesetzlichen Vorgaben mit dem Rollstuhl nicht zu meistern sind. Alte und Kranke, die ins Ortszentrum (Altersheim, Physiotherapie, Einkaufsläden) wollen, werden somit vom öV ausgeschlossen.
Postauto generiert mit diesem erzwungenen Umstieg zusätzliche, künstliche Einstiege. Obwohl die Linie zwischen Sissach und Gelterkinden schlecht ausgelastet ist, kommt das Unternehmen so scheinbar zu zusätzlichen Passagieren.
Diese Linie müsste traumhaft ausgelastet sein, weil Sissach und Gelterkinden die grössten Dörfer im Bezirk sind. Zwischen diesen Dörfern scheint ein Viertelstundentakt gerechtfertigt zu sein – natürlich nur, wenn das Zentrum von Gelterkinden direkt erreicht wird.
Dass ein guter, dichter und regelmässiger Fahrplan automatisch eine hohe Nachfrage bewirkt, beweist die vorbildliche BLT-Linie 107 von Sissach nach Eptingen. Hier gilt sogar am Sonntag der Halbstundentakt. Gerade in Sissach werden meine Aussagen jeden Abend um 17 Uhr bestätigt: Während das Postauto von und nach Gelterkinden mit knapp zehn Fahrgästen verkehrt, füllt die BLT auf der Linie 107 zur gleichen Zeit Gelenkbusse.
Der Postautofahrplan ist offensichtlich schlecht. Hier muss etwas geschehen. Und zwar bereits zum Fahrplanwechsel im kommenden Dezember.
Regierungsrat
Zum Artikel «Regierung mit Schloss» in der «Volksstimme» vom 21. August, Seite 7 Wie heisst es so schön: «Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.» Dies trifft auch auf das diesjährige offizielle Foto der Baselbieter Regierung zu. Der Blick fällt notgedrungen als Erstes auf Regierungspräsident Thomi Jourdan: Er residiert in der Mitte und ist rot gekleidet, in der Farbe für Macht und Herrschaft in einem Königshaus also. Er sitzt lässig da, strahlt und schaut, als ob er sagen wollte: «I am the King. And you?» – «Ich bin der König. Und wer bist du?» So passt das Schloss Ebenrain als Residenz nur zu gut. Um «König Thomi» herum scharen sich in betont dezent-zurückhaltenden Farben seine Vasallinnen und Vasallen. Sie rahmen ihn ein und lächeln milde. Alle Regierungsratsmitglieder stehen auf den Stufen des Schlosses, also über dem Volk, wozu auch Landschreiberin Heer Dietrich gehört.
Was fehlt noch zum Bild? Das mindere Volk natürlich, das ehrfürchtig vor der hohen Regierung kniet. Ist dies ein Bild eines Regierungspräsidenten: hoch erhoben, königlich gekleidet, seine Macht und Herrschaft demonstrierend? Es sei Herrn Jourdan gesagt: Sie sind als Präsident nur «primus inter pares» (der Erste unter Gleichen) und nicht deren Herrscher.
Das Regierungsratsfoto ähnelt auch einer Familienaufstellung. Im Zentrum das Oberhaupt, um ihn herum die übrigen Familienmitglieder: ganz unten Landschreiberin Heer Dietrich, Halt suchend, Isaac Reber aussen vor (was er ja auch bald sein wird), Kathrin Schweizer mit beherrschter Haltung, Markus Eigenmann mit hängenden Schultern und Anton Lauber in souveräner Haltung und so durchaus in Konkurrenz zum Oberhaupt.
Das Erschreckende dabei: Alle Regierungsratsmitglieder stehen vereinzelt und ohne Kontakt zu den anderen da. Ist das ein Bild für eine Kollegialbehörde? Eine Hoffnung bleibt: Bald wird ein neues Foto mit Matthias Liechti nötig sein. Vielleicht versucht dann die Baselbieter Regierung, ein anderes Bild abzugeben. Als Kulisse schlagen wir «Gate 44» vor, als Hommage an das neueste Regierungsratsmitglied, das dort seine geistliche Heimat hat.
Neutralitätsinitiative
Der Initiativtext legt das Schwergewicht auf immerwährende Bewaffnung und will festlegen, dass die Schweiz keinem Militär- oder Verteidigungsbündnis beitritt. Unser Land soll sich nicht an militärischen Auseinandersetzungen zwischen Drittstaaten beteiligen. Status quo. Der aktuelle Artikel 173 Abs. 1a der Bundesverfassung besagt bereits, dass die Bundesversammlung Massnahmen zur Wahrung der äusseren Sicherheit, der Unabhängigkeit und der Neutralität der Schweiz trifft. Neu ist, dass gegen Kriegs führende Staaten keine Zwangsmassnahmen mehr mitgetragen werden dürften.
Sanktionieren ist nicht identisch mit parteiisch. Aber Sanktionen sind sinnvolle Alternativen zur Waffengewalt. Sie bezwecken unter anderem das Zustandekommen von Friedensverhandlungen. Neu ist vor allem auch, dass der Initiativtext im Artikel 54 der Bundesversammlung unter anderem die Achtung der Menschenrechte streicht. Und das wird verheimlicht.
Neutralität ist ein dehnbar interpretierbarer Begriff, wie Beispiele aus der Vergangenheit zeigen. Nicht auf das Gedruckte kommt es an, sondern auf das situationsbezogene, möglichst optimale Handeln nach bestem Wissen und Gewissen der Verantwortlichen. Deshalb ist es nicht nachzuvollziehen, weshalb die freiheitsliebende SVP die Handlungsfreiheit der Schweiz einschränken will.
Im Übrigen ist richtigzustellen, dass die Mitgliedschaft der Schweiz bei «Partnership for Peace» (PfP) eine 1994 gegründete Verbindung (!) zur Nato ist. Sie ist weder ein Verteidigungs- noch ein Kriegsbündnis. Eine Initiative mit dem scheinheiligen Werbeslogan «Kein Krieg» als parteipolitische Aktion ist unbedingt abzulehnen.
Migration
Zum Artikel «Als Jugendliche alleine übers Mittelmeer» in der «Volksstimme» vom 28. Juli, Seite 8 Es freut mich, dass über Yordanos’ Geschichte ausführlich berichtet wurde. Seit ihrer Flucht aus Eritrea arbeitet Yordanos bei uns im APH Mülimatt. Sie ist ein wunderbarer Mensch, und erst nach und nach haben wir erfahren, was sie erlebt hat. Ihre bescheidene und liebevolle Art ist ein grosser Mehrwert für unsere Bewohnerinnen und Bewohner. Ihre grosse Lernbereitschaft und ihr bereits fundiertes Können sind bemerkenswert; es war eine Freude, sie von Anfang an zu begleiten (bis Ende April dieses Jahres, seither arbeite ich selbst nicht mehr im «Mülimatt»).
Dank unserer Stationsleitung und des Zusammenhalts unseres Teams wurden wir zu einer zweiten Familie für «Yordi». So funktioniert Integration im besten Fall – und sie ist Gold wert, besonders in einer Zeit, in der es schwer ist, junge Menschen für die Pflege zu gewinnen. ehemalige Pflegerin APH Mülimatt
Bushaltestelle
Zum Artikel «Kampf um Verkehrsknotenpunkt» vom 21. August, Seite 3 Eine Haltestellenverschiebung sollte auch an der Peripherie und im obersten Baselbiet von der Politik ernst genommen und vertieft geprüft werden, wenn Unterschriften eines ganzen Dorfes dringend darum bitten. Auch ich als Wenslingerin bin von der Aufhebung der Haltestelle am Bahnhof Tecknau direkt betroffen: Seitdem die Buslinie 103 nicht mehr den Bahnhof Tecknau bedient, ist die Verlockung für die Bewohnenden der umliegenden Dörfer sehr gross, den Bus gar nicht mehr zu benutzen und stattdessen mit dem Auto an den Tecknauer Bahnhof zu fahren oder sich dorthin chauffieren zu lassen. Denn wer immer beruflich oder in der Freizeit Richtung Olten-Mittelland-Alpenraum verreisen möchte, wird sich sicherlich nicht zu Fuss und mit Gepäck von der neuen Bushaltestelle auf einer Strecke von mehreren Hundert Metern bis zum Bahnhof Tecknau abquälen wollen – möglicherweise noch bei Starkregen oder Schnee.
Und die neue Umwegfahrt per Bus über den Bahnhof Gelterkinden ergibt wenig Sinn, wenn man wieder per Zug von Gelterkinden zurück an den Bahnhof Tecknau fahren und für diesen Zusatzweg erst noch mindestens 2.90 Franken bezahlen muss. Dass die öV-Anbindung für Pendlerinnen und Pendler nach Basel mit dem Halbstundentakt attraktiver geworden ist, spielt eigentlich keine Rolle in dieser Debatte. Denn es geht dem Petitionskomitee ja nicht um die Abschaffung dieser Verbesserung, sondern um eine technisch machbare zusätzliche Optimierung für all jene, die in Tecknau-Dorf mobilitätseingeschränkt sind und früher eine Bushaltestelle in ihrer Nähe hatten, sowie für die Berufspendlerinnen und -pendler beziehungsweise Reisenden, die eben nicht Richtung Basel reisen müssen. Mir ist im Baselbiet kein anderer Bahnhof bekannt, der ausgerechnet in Zeiten der ÖV-Förderung von den Buskursen ausgenommen wird. Regula Waldner, Alt-Landrätin Wenslingen
Wetter im Oberbaselbiet Basel Sissach
